Jede Bücher&Wein Box ist liebevoll zu einem wechselnden Oberthema kuratiert. Für gewöhnlich lassen wir uns dabei saisonal inspirieren. Deshalb stand die Box 01/26 vom März unter dem Thema Perspektivwechsel. Pünktlich zum internationalen Frauentag, wollten wir Geschichten und Weine aus einem weiblichen Blickwinkel beleuchten und darauf aufmerksam machen, dass verschiedene Lebensrealitäten den Horizont erweitern.
Nefeli Kavouras: «Gelb auch ein schöner Gedanke»
Georg stirbt, und das schon viel zu lange. Während Ruth ihren Mann selbstvergessen zu Hause pflegt und sich darüber von ihrer fünfzehnjährigen Tochter Lea entfremdet, möchte die endlich Normalität und ungebremst ein jugendliches Leben führen. Ruth und Lea brauchen sich, driften aber immer weiter voneinander weg. Und dann passiert etwas mit Georg, mit dem keiner gerechnet hat.
Ein Buch, dass ich sehr gerne mögen wollte. Es geht um die unsichtbare Bürde der Pflegearbeit und um den Verlust geliebter Menschen. Die Autorin schafft es mit ihrem wunderschönen und außergewöhnlichen Schreibstil die Trauer und Machtlosigkeit der Protagonistinnen und Protagonisten nahbar und realistisch zu beschreiben, doch der groß angekündigte Plotttwist, zieht diese fühlige Arbeit für mich dann doch irgendwie ins Lächerliche. Für mich persönlich war das Pferd ein Dealbreaker und deshalb hat das Buch es nicht in die Märzbox geschafft.
3/5 Sterne
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Julia Wolf: «Du, hier»
Stella, Judith, Wanda und die anderen Heldinnen in diesem Buch sind nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt. Hineingewachsen in ihre Rollen als Freundinnen, Geliebte, erwachsene Töchter oder späte Mütter, stellen sie fest: Ihre Lebensentwürfe sind brüchig. Und so werden die Begegnung mit der besten Freundin aus Schultagen, die Prügelei mit einem Catcaller oder der Besuch im Haus der gerade verstorbenen Schwiegermutter zu Momenten, in denen sie vorgeprägte Wege verlassen.
Wenn ich vor der Aufgabe stehen würde jemandem ein Buch zu schenken oder zu empfehlen, dann wäre es dieses Buch. Mütter, Omas, Schwägerinnen, Freundinnen Nachbarinnen, eigentlich würde ich dieses Buch gerne jeder Frau ab Ende zwanzig in die Hand drücken und sagen: "Bitteschön, gern geschehen."
Das Werk umfasst mehrere Kurzgeschichten, die die Autorin teilweise über Jahre gesammelt hat und mal spannend, mal verstörend, mal tröstend wirken. Meiner Meinung nach ein wirklich empfehlenswertes und tolles Buch, dass nur aus dem Grund nicht in die Box gekommen ist, dass es Kurzgeschichten sind und wir normalerweise zusammenhängende Werke in die Bücher&Wein Box packen.
5/5 Sterne
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Anika Landsteiner: «Träume aus Salz»
Eigentlich ist Flo glücklich. Zusammen mit ihrem Freund Matty verbringt sie eine Woche auf einer kleinen griechischen Insel. Das Wasser lockt azurblau, die Nächte schimmern im Mondlicht. Und trotzdem findet Flo keine Ruhe. Denn da ist etwas, das sie Matty nicht sagt. Nicht sagen kann. Als sie der mysteriösen Sofia begegnet und sich von ihr die Karten legen lässt, gerät Flo in einen Strudel aus Erinnerungen, die sie drängen, einen Weg zur Wahrheit zu finden.
Anika Landsteiner hat hier DIE Urlaubslektüre des Jahres 2026 geschrieben. Das Buch hat alles was ein solides Strandbuch braucht: es spielt in einer traumhaften Destination (Griechenland) es macht Fernweh und heilt es zugleich auch ein bisschen und es ist so angenehm zu lesen, dass man förmlich durch die Seiten fliegt. Eine Sache die mir dann aber doch manchmal zu kurz kam war die Tiefe. Einige Handlungsstränge wurden so vielversprechend eingeführt und dann kaum ausgeführt, dass bei mir persönlich ein leicht unbefriedigendes Gefühl übrig geblieben ist. Deshalb hat das Buch es leider nicht in die Box geschafft, obwohl ich es mochte.
4/5 Sterne
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Emily Rudolf: «Die Housesitterin»
Cecilia arbeitet als Housesitterin und hangelt sich von Auftrag zu Auftrag. Nach dem Tod ihrer Mutter hat sie den Boden unter den Füßen verloren, kann nicht einmal mehr ein WG-Zimmer bezahlen. Nun wird sie an der Villa der einflussreichen Familie Waldner abgesetzt, einsam gelegen auf einer winzigen Ostseeinsel. Die perfekte Idylle – die perfekte Falle. Denn Cecilia ist nicht zufällig hier: Eine machtvolle Anziehung verbindet sie mit Johannes Waldner, dem Sohn des verstorbenen Besitzers. Während Cecilia sich noch allein im Haus wähnt, machen sich vier Menschen auf den Weg zur Insel. Mit dunklen Geheimnissen und eigener Agenda. Aber würden sie dafür auch töten?
Ich habe dieses Buch geliebt. Thriller-Krimis finde ich immer dann toll, wenn die Handlung unvorhersehbar und überraschend ist aber nicht so irrwitzig, dass man die Auflösung doch noch selbst erraten könnte. Emily Rudolf hat deshalb aus meiner Sicht einen absoluten Page Turner geschrieben, den ich beim lesen nicht mehr aus der Hand legen konnte. Ich habe es absolut genossen mit zu raten und nach jedem Kapitel ad absurdum geführt zu werden. Das Ende habe ich persönlich nicht kommen sehen aber ich respektiere jede Wendung und kann das Buch wärmstens weiterempfehlen. Am Ende ist es nicht in unserer Box gelandet, weil es einen Mitstreiter gab, der thematisch besser ins Thema des Perspektivwechsels gepasst hat.
5/5 Sterne
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Aber welches Buch hat es nun in die März Box geschafft?
Mercedes Spannagel: «Crashtest Dummies»
Als Ingenieurin in der Automobilindustrie arbeitet Cleo in einer Männerdomäne – und am offenen Herzen der strauchelnden deutschen Wirtschaft. Ihr Team soll die Entwicklung eines Elektromodells vorantreiben, doch getrieben werden sie vor allem vom Speiseplan der Kantine. Cleo glaubt nicht an Konventionen oder an Arbeit am Wochenende und auch nicht daran, als Frau in der Technik irgendetwas repräsentieren zu müssen. Doch dann tritt sie in eine Konkurrenzsituation mit ihrem Kollegen Martin, aus der sich eine beidseitige Obsession entwickelt. Für Cleo geht es nicht nur um ihre berufliche Zukunft, sondern auch darum, sich nicht von einem Mann ausbooten zu lassen.
Ich bin ehrlich, selten fiel mir die Wahl eines Buches für die Box so schwer, denn wie bildet man Blickwinkel einer Frau literarisch ab, wenn jeder Mensch und jedes Leben so unterschiedlich ist? Einen guten Anfang für die Suche lieferte dabei Mercedes Spannagel, die selbst als Maschinenbauerin in einem überwiegend männlichen Berufsfeld gearbeitet hat. Ihr Buch Crashtest Dummies folgt dabei der Protagonistin Cleo, deren Leben vom Kantinenspeiseplan und von Raucherpausen geprägt wird bis sie eine Beförderung in Aussicht gestellt bekommt. Das Buch ist frech, kontrovers und gesellschaftskritisch. Cleo ist eine Protagonistin die Höhen und Tiefen hat, mit der man stellenweise mitfühlt und die auch manchmal problematisch daherkommt. Am Ende habe ich mich genau aus diesem Grund dafür entschieden dieses Buch in die Box zu packen, denn über kein Buch das zur Auswahl stand, haben wir im Team so viel diskutiert. Denn welches Buch könnte besser Perspektivwechsel abbilden, als ein Buch über das jeder eine andere Meinung hat?
Ich persönlich gebe dem Buch deshalb 5/5 Sterne.
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